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Selbstdarstellung |
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Über die Rede des amerikanischen Präsidenten George Bush vom 20.09.2001
M. Hammerschmitt Fürchtet euch
Der
Präsident der USA, George Bush, hat jetzt also in einer Grundsatzrede
die Marschrichtung für die kommende Zeit dargelegt. Zunächst
fällt an dieser Rede ihre hohe rhetorische Qualität auf. Sie
geifert nicht, sie ist klar strukturiert, sie ist für jeden Zuhörer
vollkommen verständlich. Sie enthält viel Richtiges. Es haben
viele intelligente Leute an dieser Rede mitgearbeitet. Auch aus diesem
Grund ist sie absolut furchtbar. Bleiben wir zunächst bei den Wahrheiten,
die George Bush zu vermelden hatte. Da ist zum Beispiel die Beschreibung
des Gegners. Es ist ein interessantes und nicht zu unterschätzendes
Merkmal dieser Rede, daß sie den Gegner realistisch und klar einschätzt.
Während Ronald Reagan seinerzeit noch die Sowjetunion dämonisieren
mußte, um seine billigen rhetorischen Schießbudeneffekte
abzubrennen, hat das der heutige Gegner der USA selbst getan (immer
vorausgesetzt, es stecken tatsächlich islamistische Kräfte
hinter dem Attentat). Es kann kein Zweifel daran bestehen, daß
der extreme, bewaffnete Islamismus die Ziele hat, und dabei von den
ideologischen Voraussetzungen getrieben wird, die Bush ihm zuschreibt.
Der Vernichtungswille nach außen ist klar benannt. Die Haßobjekte
der Islamisten sind richtig identifiziert: Pluralismus, Aufklärung,
jede nur denkbare Form vonDemokratie. Nur den Sozialismus hat Bush vergessen,
denn er ist in der bipolaren Auseinandersetzung, die ihm vorschwebt,
keine weltpolitisch bedeutende Kraft mehr. Auch die extreme Form des
Klerikalfaschismus, die die Taliban in Afghanistan praktizieren, wird
mit sparsamen, aber sehr aussagekräftigen Strichen Die Probleme fangen dort an, wo Bush versucht, diese Form des Islamismus von einem guten, gemäßigten, freundlichen, ja patriotisch wertvollen Islam zu trennen, den er in einem rührenden Schauspiel vereinnahmender Generosität zu den Verteidigern der Freiheit rechnet. Der Islam ist genauso militant wie alle anderen Großreligionen, und seine Lehren sind in vieler Hinsicht überhaupt nicht so friedvoll und gut, wie Bush zu meinen behauptet. Selbstverständlich heißt das nicht, daß alle Moslems Gewalttäter sind (genauso wenig wie alle Christen oder Buddhisten). Für jede religiöse Strömung kommt es immer darauf an, wie die zentralen heiligen Schriften interpretiert werden, und für jeden Gläubigen, wie er seinen Glauben lebt. Die Pogromstimmung gegen Moslems, die in den USA und Teilen Europas nach den Anschlägen aufkam, ist in sich ein Argument gegen die Behauptung, wir hätten jetzt die Zivilisation gegen das Böse zu verteidigen: Offensichtlich reicht eine kräftige Dosis CNN, um die edlen Zivilisierten in einen gewalttätigen Mob zu verwandeln. Gleichwohl handelt es sich bei dem Versuch, einen menschenfreundlichen, demokratischen und patriotisch wertvollen Islam gegen den massenmörderischen, fanatischen Radikal-Islamismus abzugrenzen, um eine wohlkalkulierte Lüge. Diese Lüge hat zwei Aufgaben: Erstens soll sie die Gefahr bürgerkriegsähnlicher Zustände in den USA abwenden, für den Fall, daß die amerikanische christliche Rechte die Stimmung nach den Anschlägen als Aufforderung begreift, mit dem Islam in den USA Schluß zu machen. Bei dem "Krieg gegen den Terrorismus", den Bush ausgerufen hat, wird er bemüht sein, die Eröffnung einer zweiten Front daheim zu vermeiden, und das ist taktisch schon allein aus dem Grund geboten, daß ein Bündnis radikaler Minderheiten in den USA mit einem fanatisierten Islam ein gewaltiges Pulverfaß für die amerikanische Gesellschaft darstellen würde (man denke z.B. nur daran, daß viele radikale Schwarze heute Muslime sind). Die
zweite Aufgabe dieser Lüge ist es, die Tatsache zu vernebeln, daß
keine große Religion dieser Welt ohne menschenverachtende Gewalt
auskommt. In der Vereinnahmung des guten Islam soll dem Zuhörer
der Analogieschluß nahegelegt werden, daß sich hier gleich
und gleich gesellen: Gute Christen und gute Moslems wollen für
die Welt das Gute und werden das Böse mit aller Entschlossenheit
gemeinsam ausradieren. Nun,
zum ersten Mal in der Geschichte, zeigt sich die Kehrseite dieses Glaubensmit
aller Macht: Das Paradies selbst ist im Kern berührt worden, und
der Erzengel wird es mit seinem Flammenschwert zu verteidigen wissen.
Die Konstruktion Amerikas als des verwirklichten, säkularen Paradieses,
ist der wahre Grund für die absolute Rigidität seines Verteidigungsreflexes:
Sollen doch nicht nur die Terroristen und die Staaten, die sie beherbergen
bestraft werden, ja nicht einmal nur alle Terroristen weltweit von jetzt
an und in alle Ewigkeit, sondern sogar die, die Amerika in diesem Endkampf
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